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Fantastika

Engelsduft

Menschen riechen, auf die ein oder andere Art und Weise. Einige parfümieren sich, mal mehr, mal weniger. Andere halten die Körperpflege für vollkommen überflüssig und geben sich den natürlichen Ausdünstungen ihres Körpers geschlagen. Doch wer sich hauptsächlich von McDonalds oder BurgerKing ernährt, hat keinen natürlichen Duft mehr an sich. Der ohnehin schon schwer zu ertragene Geruch von altem Schweiß in Verbindung mit agressiven Mundgeruch bei dem sich meine Augenlider auflösen und die Wimpern alle auf einen Schlag herunterfallen, hat durch starken FastFood-Konsum noch eine Steigerung erhalten.

Doch ich bin ein Verkäufer, kein Problem. Kein Problem, das ordentlich angezogene Paar, ca. mitte bis ende 40, er im Anzug mit Breitling am Arm, sie mit einem Armani-Irgendwas bekleidet sehen für mich verlockend aus, doch ich falle auf sie herein. Die wollten gar nichts kaufen. Die waren noch bei ihrem Verdauungsspaziergang, von dem üppigen Mahl von gestern. Es gab: KNOBLAUCH. Auch als Getränk. Und damit sie sich gegenseitig ertragen können natürlich für BEIDE.

Mich schüttels. Mein lieber Kollege O sagte mal mitten in der Beratung: Hui, ist hier einer auf ein faules Ei getreten? Kein Stück, lieber O. Jemand hat einen Fahren lassen und zwar still und leise. Dafür aber um so wirkungsvoller in der plötzlichen Entfaltung. Ich war´s nicht. O sagte hinterher, er war es auch nicht. Wenn wir´s nicht waren, bleibt nur noch einer. Die Sau. Es gibt Leute, die einfach drauf los Furzen - keine Peinlichkeiten - in einer Lautstärke in der man sich eigentlich nur die "Götterdämmerung" antut. Da überrascht es dann auch nicht mehr, dass keiner auf den armen Verkäufer reagiert, der sich daraufhin so erschreckt, dass er mit dem Schädel gegen so ein Metallregal knallt und zu Boden geht. Er weiß es nun auch: Mache nichts aufwendiges in den Regalwänden, wenn ein älterer Mann in der Nähe ist.

Es gibt auch Menschen, die einen Geruch ausdünsten, den ich nicht beschreiben kann. Es bleibt einem die Luft weg. Es ist stickig. Ich weiß nicht recht, als würde mir der Sauerstoff aus den Lungen gesaugt werden, und ich schaffe es nicht mehr einzuatmen. Wie kriegt man sowas hin? Ist das der Punkt, wo der Schweiß eine konsistenz erreicht hat, bei der er nur noch in kleinen Bröckchen von der Haut fallen kann?

Manche Menschen riechen wunderbar. Derzeit nach Frühling. Hauptsächlich die Frauen. Dann ist mir auch wurscht, was die alles so für Probleme haben, die ich dann lösen soll. Wie bitte, ihr MP3-Player ist kaputt? Bitte, setzen sie sich doch. Möchten sie vielleicht ´was zu trinken? Was? Das stinkt ihnen, dass das Gerät zum dritten Mal kaputt ist? Das verstehe ich... Puh, das würde mir auch stinken... Bleiben sie doch noch einen Moment. Da drüben lauern ein paar schmierige Müffelbarden auf mich. Bitte, retten sie mich. Brüllen sie mich an. Seien sie Zickig. Halten sie mich auf. Führen sie sich auf, wie eine gesandte aus der Hölle. Greifen sie mich persönlich an. Zweifeln sie mit mir an meinem Verstand. Mir egal, nur bleiben sie. Sie duften wie ein Engel.

 

7.4.06 22:52, kommentieren

Der schwarze Freitag

Es wurde geschrien. Nicht von mir. Diesmal nicht. Ich bin ja jetzt erwachsen. Geschrien hat mein werter Kollege W, den ich mit durchaus treffenden Argumenten zur Weisglut brachte. Aber das ist nur meine Seite der Geschichte. Als der neue, junge Chef in diese Auseinandersetzung kam, sah er aus wie ein aufgescheuchtes Reh. So hat er uns noch nie erlebt. Eine Zigarettenpause später waren wir wieder OK. Bei uns wird nicht geschmollt. Wir sind nicht nachtragend. Wir mögen uns, selbst wenn wir uns die schlimmsten Fratzen ziehen.

Dann wurde es unverschämt. Während W sich mit einem grauenvoll unfreundlichen und herrischen Kunden am Telefon herumschlug, betitelte mich ein weiterer Kunde als Spinner. Spinner ist für mich eigentlich ein Spaßwort, aber er sprach mehr oder weniger mit sich selber, durchaus mit dem Gedanken dass ich es höre. Ich empfahl ihm, sich selber zu beraten. Darauf war ich plötzlich ein Hurensohn und er wollte den Geschäftsführer sprechen. Wir mögen aber keine Beleidigungen. Niemals.
Wollen sie ihn wirklich sprechen? Fragte ich, fast um eine Antwort flehend. Wollen sie das wirklich? Er wollte, denn ich war ihm zu unfreundlich. Ich kann nicht sagen, das er mir zu irgendeinem Zetipunkt symphatisch gewesen wäre. Also kümmerte ich mich. Kurzum: Der Beleidiger wurde aus dem Laden verwiesen. Der große, alte Chef hat zugestimmt.

Später hatte ein weiterer Kollege eine recht nette Kundin. Sie sagte, als ihr Freund sich am Mittag beim Geschäftsführer beschweren wollte, wurde er promt vor die Tür gesetzt. Klingt super. Hat man auch nicht alle Tage.

3 Kommentare 31.3.06 21:09, kommentieren

Sie müssen sich zwingen

Es ist nicht ratsam, sich am Freitag-Abend die Hucke voll zu saufen, wenn man am Samstag-Morgen, bzw. wenige Stunden später wieder arbeiten muß. Insbesondere wenn man einen Beruf mit Verantwortung ausübt. Oder einen wie meinen, dem die Aufgabe zu Grunde liegt, den Leuten möglichst charmant das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Doch von Charme keine Spur. Meine Augen sind noch ein wenig rot, klein und glasig. Die Haut ist fast weiß und ich kann nicht zulassen, das mir jemand zu nahe kommt, denn mein Atem riecht wie ein schimmeliges Wiskeyfass. So hangel ich mich unter dem Gelächter meiner Kollegen durch die Abteilung zum nächsten Regal, um mich dort zu stützen und zu hoffen, das ich von den Kunden übersehen werde. Ich hasse diese verdammten Hemden, die wir alle tragen müssen - heute ganz besonders.

Ich sehe verschwommene Gestalten durch die Gänge laufen, dunkle Schatten, die sich mal wie in Zeitlupe, dann wieder wie schwarze Blitze fortbewegen. Einer schlägt bei mir ein. Mit Frau und zwei Kindern. Können sie mir was erzählen, sind seine ersten Worte an mich. Was möchten sie denn wissen, ich klinge als würde ich mit Barcardi gurgeln. Sie müssen mir doch was erzählen! Offensichtlich habe ich ihn jetzt schon verärgert. Was möchten sie denn hören? Das war höchst unprofessionell von mir. Frau und Kinder schauen auch schon verstört. Und er? Also... ich such mir einen anderen Verkäufer. Puh, gerade noch mal gut gegangen. Aber ich bin hier nicht sicher. Ich muß mich stark zusammen reißen, sonst nimmt dieser Tag noch ein schlimmes Ende, und entschließe mich dorthin zu gehen, wo schön wenig los ist.
Schön schleichen, damit mich niemand bemerkt. Normalerweise rennt man als Verkäufer stur gerade aus, nur nicht umsehen, und vor allem: Lauf so schnell du kannst. Aber vergiss es: Aufgrund meines Vermutlich immer noch starken Alkoholspielgels bin ich zu langsam und der Meute hilflos ausgeliefert. Ich werde angesprochen und gebe mich nun trotzt innerer Gegenwehr recht freundlich. Der Mann mittleren alters, bekleidet mit Anzug und Krawatte, macht einen viel Kompetenteren Eindruck als ich, sucht einen Walkman. Da liegen noch vier Stück. Sie verstecken sich hinter wenigen Discman, die versucht haben, das Regal tapfer gegen die Armeen der MP3 Spieler zu verteidigen. Heute sind sie nicht mehr, als eine kleine, schlecht ausgestattete Gruppe von Verlierern.

Wie funktioniert also dieser Walkman. Ich soll ihm alles erklären. Wirklich alles. Das ist die Play-Taste, höre ich mich sagen. Was ist das, fragt er. Damit aktivieren sie das Abspielen der Kassette. Und das? er deutet auf die Taste daneben. Damit kann man vorspulen. Ich warte die nächste Frage gar nicht erst ab. Und damit kann man zurück spulen. Ich bin ein Genie. Und wie ejakuliert der? Wie der ejakuliert? Hat er mich das wirklich gerade gefragt? Ohne eine Miene zu verziehen? Würde mir das irgendjemand glauben, wenn ich es erzählte? Sie müssen hier kräftig rubbeln, dann gehts von ganz alleine. Einfach auf eject drücken, sage ich unbeeindruckt. Das iritiert ihn jetzt. Ich weiß nicht warum. Vielleicht war das mit dem ejakulieren ja auch nur ein Scherz, der an mir vorbei ging. Vielleicht hat er einen sehr trockenen Humor. Ich hatte auch was trockenes, gestern abend. Mit Wein fing es an. Von Wein bekomme ich eigentlich immer Kopfschmerzen. Doch die verbergen sich noch hinter meiner Duseligkeit. Er sagt, er müsse nochmal darüber nachdenken. Jaja, ich habe auch so das Gefühl und verabschiede mich freundlichst. Ich kann fühlen, wie meine gesamte Gedult und Freundlichkeit schon jetzt am Ende ist. Aber ich hab ja noch einen ganzen Arbeitstag vor mir. Sie müssen sich zwingen, redete ich mir ein, und gut zu, aber zwinge mich für´s erste nur in die hinterste und dunkelste Ecke dieser Etage. Hier würde man mich nur finden, wenn man Lautsprecher anhören wollte. Lautsprecher vorführen kann ich. Sie stehen zusammen mit Subwoofern und Verstärkern und CD-Spielern und DVD-Spielern in einem getrennten Raum und sind, wie alles hier, an eine recht umfangreiche Umschaltanlage angeschlossen. Die versaut zwar den Klang, wenn man´s genau nimmt, aber gegenüber so einem High-End Laden, wo man Lautsprecher "richtig" hören kann, sind wir nunmal eher wie ´ne Fast-Food-Kette, oder Aldi. Wenn man das verinnerlicht hat, kann man auch problemlos über so eine Anlage vorführen und erntet sogar noch Bewunderung, das man dieses komplizierte Gerät bedienen kann.

Heute ist ja Samstag. Auslauf für Hifi-Freunde. Da dauert es nicht lange, und ich habe meinen ersten Kunden für Lautsprecher. Wieder ein Mann. Schätzungsweise um die 40. Humorlos. Offensichtlich. Ich versuche keinen verkaterten Eindruck zu machen. Seine Frau schlurft hinter ihm her und auf seiner Schulter sitzt seine kleine Tochter, die er Mäuschen nennt. Trotzdem wirkt er total Steif. Seine Tochter übrigens auch. Für´s Regal sucht er was. Kein Problem, denke ich und versuche herauszufinden, was er sich vorgestellt hat. Nachdem wir drei Lautsprecher heraus gepickt haben, frage ich nach seinem Musikgeschmack und er sagt so querbeet. Was soll ich damit anfangen? Präzise Fragen erfordern präzise antworten. Also, Nine Inch Nails - Big Man with a gun, um ihm zu zeigen was "querbeet" bedeuten kann.
Natürlich entscheide mich mal wieder für "Eric Clapton, Leyla - Unplugged". Ist in Vorführräumen schon fast tot gedudelt worden, so wie der "Frühling" aus "Vier Jahreszeiten", aber es gefällt fast immer. Vor allem den Humorlosen, Steifen. Die werden dabei richtig locker. Einmal lächelte einer.
Mittlere Lautstärke. Man kann sich noch gut dabei unterhalten. Machen die aber nicht. Sein Frau steht ratlos neben ihm. Ratlos, nicht ob der Musik, sondern eher ob der Tatsache, dass sie hier steht. Vielleicht hätte sie am Samstag ´was besseres vor gehabt. Vielleicht sollte ich mit ihr hier abhauen und ihren Mann mit Eric Clapton zurück lassen. Plötzlich holt er tief Luft und sagt laut: Ne... Nenene. Das ist mir einfach zu laut. Ich muß hier raus. So geht das nicht, und haut ab. Seine Frau hinterher. Ich schaue ihr noch auf den Hintern und denke, guten Weg, ihr beiden.

Gegen Mittag kamen dann die Kopfschmerzen durch. Ich mußte des öfteren Pausieren, trank Kaffee, aß etwas Obst. Irgendwann sagte ein Kollege zu mir: Sind deine Kunden heute auch so bescheuert?
Der Samstag ist ein besonderer Tag. Er folgt auf Freitag Nacht. Da wurde gefeiert, toll gegessen, geliebt, gestritten, Herzchen gebrochen und wieder zusammen gesetzt, geprügelt, gelacht und/oder sich übermäßig aufgeregt, meistens unter starkem Einfluss von Alkohol. Da sind die Leute eben so. Trotzdem finde ich es nicht ratsam, sich am Freitag-Abend die Hucke voll zu saufen, wenn man am nächsten Morgen, bzw. wenige Stunden später wieder arbeiten muß.

2 Kommentare 29.6.06 21:08, kommentieren

Die Rückkehr des Herrn Verragnobuckny

Morgen ist der große Tag. Herr Verragnobuckny kommt. Mein neuer, kleiner Chef, der vermutlich noch gegen die Wand gespritzt hat, als ich beim Fantastika anfing ist in höchster Aufregung. Sein Solariumgebräuntes Gesicht ist ganz Blass. Seine perfekte Frisur vollkommen zerzaust. Mein verehrter Kollege W und ich sind relativ gelassen.

Mit der Auftrittsmusik von Darth Vader wird dieser schreckliche ÜberMann der Fantastikazentrale durch unsere heiligen Hallen ziehen. Die Abteilungsleiterköter befinden sich dann schon in Embryonalstellung zu seinen Füssen, in der sie ihm auch hinterher robben. Er wird jede Abteilung auf Fehler durchforsten und danach entscheiden, wer abgetrieben wird.

Heute gab es eine Kundenbeschwerde. Die Luft sei so stickig. Das ist der Geruch von Angst. Selten hat man soviel druchgeschwitzte Hemden und Hosen bei uns gesehen.

W und ich haben alles getan, um eine möglichst unrealistische Verkaufswelt zu schaffen. Nämlich die des Herrn Verragnobuckny. Dort scheinen überhaupt keine Kunden zu existieren, die her kommen, ihr Geld vorbeibringen. In der Realität jedoch, bewegen sich echte Menschen durch unsere Gänge. Kunden sind so. Die laufen herum. Die fassen mal was an. Die lassen mal was liegen. Und vor allem: Sie kaufen sogar. Wenn da ein Gerät mal fehlt, ist es meistens Verkauft. Und zwar nur aus dem Grund, damit sich Herr Verragnobuckny einen neuen Anzug leisten kann. Das versteht er leider nicht.

Wie auch immer. Morgen ist sein großer Tag. Einer von vielen. Sein Arschloch muß mittlerweile so groß sein wie ein Scheunentor, denn er besucht ja auch noch anderen Fillialen. Und wenn er geht ist der Geruch von Angst verschwunden. Dafür riechts dann erstmal nach Scheiße. Ich bin froh, dass ich morgen frei habe.

 

 

1 Kommentar 17.3.06 02:19, kommentieren

Wie kann ich ihnen helfen?

Um mit Kunden einfacher in Kontakt zu treten, lernt man als
Verkäufer dolle Tricks. Niemand glaubt sowas, denn es ist ja nie ein Verkäufer zu finden, der einem freiwillig hilft. Na was denn? Glauben sie etwa, dass die Grütze die sie in den monströsen Kaufhausketten zum angeblichen Schnäppchescheißpreis erstehen vom Weihnachtsmann gebracht wurde? Neinnein, liebe Menschen, dafür mußte der ein oder andere Kollege schonmal seinen Hut nehmen. That´s what it is.

Doch weiterhin dem Irrglauben erlegen, der Verkäufer spräche die Kunden an, wird man geschult wie man auf das Opfer zu zugehen hat. Natürlich geht niemand mehr auf Kunden zu, sondern wird von ihnen gejagt. Das Geld um einen neuen Kollegen einzustellen wird da lieber in Schulungen investiert, für die man sowieso keine Zeit hat.

Wir Verkäufer lernen offene Fragen zu stellen. Das sind, so wissen wir dann, Fragen auf denen man nicht einfach mit ja oder nein antworten kann. Man muß einen ganzen Satz zur Antwort geben. Wenn der Verkäufer also sagt, guten Tag, kann ich ihnen Helfen, dann ist er ein Idiot und hat nichts verstanden. Der Kunde kann dann einfach sagen: Nein! und dass war´s. Ende des Gespräch´s. Abgeblitzt, wie beim Tanz ab 30. Der Verkäufer war unprofessionell und wird sofort durch einen Profi ersetzt. Dieser geht hin und sagt, guten Tag, wie kann ich ihnen helfen? Zack - so ist´s richtig. Jetzt haben wir den Kunden bei den Eiern. Es ist ihm nun unmöglich mit ja oder nein zu antworten. Wir sind Genies.

Probe am lebenden Objekt (in der sogenannten Saure-Gurken-Zeit, wenn nichts los ist):

Verkäufer schleicht sich an den Kunden heran: Guten Tag, wie kann ich ihnen Helfen? Und grinsen... Kunde antwortet: Nein, danke. Hä? Wie jetzt? Sie können doch nicht mit nein danke antworten. Wissen sie denn nicht, dass ich eine offene Frage gestellt habe? Wie kann ich ihnen Helfen, verdammt nochmal. Da sagen sie Nein? Für´n Arsch ist sowas. Und wie (zweiter Versuch) kann ich ihnen Helfen? Nö, komm zurecht. Ach, sie kommen also zurecht. He, ihnen ist da etwas herunter gefallen. Nein danke. Zur Hölle mit euch Affen. Suchen sie ´was bestimmtes? Nein! Verdammt! Kommen sie zurecht? Ja. Auch gut auf diese Frage ist übrigens: Nein danke. Darf ich ihnen dieses Gerät einmal vorführen (sowas gibts doch gar nicht)? Nein!

Man merke sich: Es geht eigentlich darum, den Kunden in ein Gespräch zu verwickeln. Was Haarscharf an der Realität vorbei gedacht ist, wenn man für z.B. fünf Abteilungen nur 2 Verkäufer hat. Wenn sie also jemals einen Verkäufer finden... der weiß genau, dass er eigentlich mit ihnen reden will. Auch wenn´s gerade nicht so aussieht.
Wie man sieht, ist dieser Job nicht einfach. Anspruchslos zwar, aber trotzdem nicht einfach, da stressig und von völlig bescheuerten Gegensätzen erfüllt.

Was mich wundert ist übrigens, das ich noch nie einen Kunden getroffen habe, der auf meine offene Frage wie kann ich ihnen helfen einfach antwortete: Gar nicht!

2 Kommentare 7.3.06 00:25, kommentieren

Regina & Farin sind Bonnie & Clyde

Farin Urlaub macht Spaß. Und warum? Weil er eben noch Spaß hat. Auf dem Livealbum of Death merkt man´s besonders. Vor allem: Er liebt Gitarren. Seine Stimme klingt wie die eines 17jährigen der nie einen Stimmbruch erlebt hat, natürlich gesangserfahrener, und so manche Textstelle hätte der ein oder andere vielleicht anders gelöst. Aber er nicht. Er singt sie lauthals, voller überzeugung genauso wie den hervorragenden Texte von "Sonne" oder "Wie ich den Marilyn-Manson-Ähnlichkeitswettbewerb verlor". Aber wir sprechen hier von Rockmusik. Gitarren sind viel wichtiger. Und "Petze" hat man gefälligst laut zu hören.
Vier von den sieben Frauen der Band singen im Hintergrund, glänzen bei "Am Strand" speziell Simone Richter im Duett mit Farin bei "Phänomenal egal".
Eigentlich sitzte ich hier noch so spät (mal wieder), weil mir eine ganz kleine Begebenheit über Farin Urlaub eingefallen ist, die sich in unserem wunderschönen Fantastika, meinem Arbeitgeber, ereignet hat.

Irgendwann war er da:

Farin Urlaub von den Ärzten läuft durch unsere heiligen Hallen, besorgt irgendwas in der Foto-Abteilung und läßt sich einen Beleg auf die Produktionsfirma ausstellen. An der Kasse wartet die freundliche, etwas ältere Kollegin auf ihn, sieht ihn an und rätselt. Sie ist ungefähr mitte 50, sehr klein und irgendwie knuffig. Sie heißt Regina. Jedesmal wenn ich dumme Scherze über sie mache, boxt sie mich mit ihrer kleinen Faust auf die Schulter, trifft genau den Punkt der am meisten weh tut und lacht mich aus. Es ist sehr schmerzhaft, aber immer lustig, so für zwischendurch. Farin steht also vor Regina. Regina überlegt woher sie den Mann wohl kennen würde. Dann durchfährt es sie wie ein heller Blitz: "Ach, sie sind doch... hier... der, von der Band. Hier... die Toten Hosen!" Wir freuen uns. Ebenso die Leute die hinter dem Tote Hosen-Sänger in der Schlange stehen, denn sie ist sich sehr sicher, und lachen in uns hinein. Farin lächelt übers ganze Gesicht. Er strahlt sie an mit seinem wohl breitesten grinsen und den weissesten Zähnen, die man je an einer unserer Kassen gesehen hat. "Jaa", sagte er fröhlich, bekommt seinen Beleg und verabschiedet sich.

Regina erzählte damals ganz stolz, wen sie da getroffen hatte. Bis die Kollegin aus der Fotoabteilung ihren Irrtum richtig stellte. Seitdem habe ich unzählige Boxhiebe kassiert, alleine für den Namen Farin Urlaub. Aber lustig isse...

27.2.06 03:48, kommentieren

Pamphlet

Gut, nach sechs Jahren habe ich mir endlich ein neues Handy zugelegt, was ich eigentlich nicht brauche, aber gut, wie gesagt. Das olle Ding liegt jetzt herum und wird geladen. Daf?r schmunzel ich noch ein wenig ?ber die nette Kollegin, die mir den Vertrag fertig machte. Mit diesem wunderbaren Akzent k?nnte sie mir die widerw?rtigste Schm?hschrift vorlesen, die jemals irgendjemand ?ber mich verfasst haben mochte, ich w?rde l?cheln. Sie l?chelte auch, und wurde gleichtzeitig ein wenig verlegen, dabei mu? meine Bemerkung recht harmlos gewesen sein, denn ich hab sie schon wieder vergessen.

Pamphlet ist das Wort, das mein Chef neuerdings benutzt, um in unserer Abteilungsbesprechung die Kundgebungen der Gesch?ftsleitung zu betiteln. Ein Witz vielleicht? Er mu? sie ja schlie?lich auch abgeben. Doch auf leicht irritierter Nachfrage (hier steht schlie?lich eine Karriere auf dem Spiel) stellte ich fest, das er eine ganz eigene Definition von Pamhlet hat, die durchaus nicht falsch ist, aber auch zeigt, dass er nicht alles gelesen hat, was in seinem W?rterbuch dar?ber steht. Sei?s drum.
Dieses l?cherliche Geschmiere liest sowieso keiner, der regelm??ig in den Puff geht. Man kennt das Wort Pamphlet in unserer Chefetage ohnehin nicht. Und so wurde mein Abteilungsleiter neulich doch glatt zum Gesch?ftsf?her in einem neuen Haus vorgeschlagen.

In einem Unternehem, dass vor hat sich auf dem ganzen Erdball auszubreiten bei gleichzeitigem Abbau aller nat?rlichen Intelligenz, ist eben derjenige weit oben, der am lautesten JA schreien kann.
Tja, so war?s. Ich bin froh, dass ich auch schreinen kann. Sogar Worte mit mehreren Silben.

3 Kommentare 25.2.06 03:50, kommentieren